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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 519 mal aufgerufen
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Admin Offline

Administrator


Beiträge: 3.578

02.10.2006 01:15
Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten

Am Dienstag ist es nun wieder soweit "Tag der deutschen Einheit"

Wie verbringt Ihr diesen Tag?
Empfindet Ihr diesen Tag wirklich als Feiertag?
Oder ist es ein Tag wie jeder andere?

Cara

Maya Offline



Beiträge: 14

02.10.2006 01:29
#2 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten

Als Feiertag würde ich ihn nicht gerade bezeichnen,denn ich glaube viele die damals euphorisch gen Westen gestürmt sind,ist heute nicht mehr zum feiern.Sätze wie, also bei uns war das besser,habe ich zur genüge gehört.
Bei uns wird es je nach Wetter,zuerst mal ausschlafen,spazieren gehen,bisschen Haushalt
ein geschenkter Urlaubstag.Konnte auch noch eine Brücke bauen mit Überstunden(Montag auch frei)

LG Maya

sonne Offline



Beiträge: 52

02.10.2006 12:52
#3 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten

Es ist schon schön,das Deutschland wieder ein Land ist. Aber ich denke,die art und Weiße war nicht ganz in Ordnung. Es ging alles viel zu schnell und es wurde in den neuen Bundesländern viel kaputt gemacht was ganz sicher nicht unbedingt schlecht war.
Ich habe viel freunde und Bekannte in den neuen Bundesländern und deshalb sehr viel mitbekommen.

Linde ( Gast )
Beiträge:

03.10.2006 09:57
#4 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten

Ja, die blühenden Landschaften die Herr Kohl damals versprach
sind ausgeblieben. Ich wohne in dem Chemiedreieck, Leuna, Buna, Bitterfeld.
Was soll da gefeiert werden bei der Arbeitslosigkeit.
Für uns ist es ein tag wie jeder andere. Also schön ist es schon, daß wir wieder vereint
sind ,man hätte aber vieles anderst machen müssen

helene Offline



Beiträge: 382

03.10.2006 13:41
#5 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten



Für mich ist der 3.Oktober schon ein Feiertag,auch wenn ich viele Dinge,die bei der Wiedervereinigung geschehen sind,durchaus kritisch betrachte.

Ich bin als junge Frau von Hamburg nach Berlin gezogen,nicht freiwillig,die Umstände erforderten dies.
Ich hatte großes Heimweh,besonders hervorgerufen durch die Berliner Mauer.
In Hamburg war es für mich eine Selbstverständlichkeit,daß ich jederzeit an die Ostsee,an die Nordsee oder in die Lüneburger Heide fahren konnte,wenn ich einen Tages-oder Wochenendausflug machen wollte.In Berlin war das unmöglich.Ich konnte keine 50 km fahren,ohne meinen Ausweis zeigen zu müssen,für die Bewohner West-Berlins gab es kein "Umland".Wir fürchteten ständig Schikanen an der DDR-Grenze,an der Transitstrecke lauerten VOPOs,um Transitreisende wegen lächerlicher Verkehrsverstöße um "Westgeld" zu erleichtern.

Ich bin es von jeher gewohnt,meine Meinung offen kundzutun und halte dies auch für mein Recht.(Das GG garantiert mir das auch).An der DDR-Grenze und auf der Transit-Strecke wurde mir dieses Recht verwehrt,sodaß ich immer mit einem sehr mulmigen Gefühl durch diesen Teil Deutschlands fuhr. Einen Teil meines Heimatlandes,der mir fremder war,als z.B. Italien.
Und ich bin nicht die Einzige,die das so empfunden hat.Fast jeder West-Berliner war froh,wenn er die "Oststrecke" hinter sich hatte und wieder auf bundesdeutschem oder West-Berliner Gebiet war.

Ich habe mich,da ich nicht in Berlin geboren und aufgewachsen bin,durch die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze immer eingesperrt gefühlt.

Da frage ich mich,wie es erst den DDR-Bürgern gegangen sein muß!

Keine Meinungsfreiheit,keine Reisefreiheit,Nachteile für diejenigen,die nicht in der Partei waren und und und....

Die Bürger der früheren DDR sind auf die Strasse gegangen,um sich diese Freiheiten zu erstreiten und sie haben das geschafft.

Aber im Anschluß ging es aus meiner Sicht fast nur noch um materielle Dinge.Ich bin in der "Nachwendezeit",als es noch keine D-Mark der DDR gab,in Potsdam gewesen.
Ich habe beobachtet,wie die Menschen in den Geschäften ihre eigenen Produkte liegen liessen und zum teilweise 10-fachen Preis "Westwaren" kauften.DDR-Produkte wurden vielerorts boykottiert,die Betriebe mußten schließen.Mein Cousin,der in Apolda in der Strickwaren-Fabrikation arbeitete,mußte mit der Ware über Land fahren,um Bekleidung,die früher als "Bückware" galt,auf Märkten für Schleuderpreise verkaufen,wenn er sie überhaupt loswurde.

Viele DDR-Bürger haben ihre eigenen Produkte mißachtet und ihr Geld für "Westware" ausgegeben.
Es sind also nicht nur die "arroganten Wessis" schuld,daß die DDR- Wirtschaft zusammengebrochen ist.

Das Ganze ging einfach viel zu schnell.Die Wiedervereinigung hätte langsamer vonstatten gehen sollen und vor allem unter Einbeziehung der Bürger in Ost u n d West.
Aber ich erinnere mich noch lebhaft an Plakate in der DDR: "Kommt die D-Mark,bleiben wir,kommt sie nicht,geh`n wir zu ihr!"Was sollte die Politik da tun?
Ich weiß noch genau,daß ich als "Einheits-Gegnerin" beschimpft wurde,als ich äußerte,daß die Art und Weise und vor allem die Eile,mit der die Wiedervereinigung vorangetrieben wurde,fatale Folgen für die Wirtschaft und für die Bevölkerung haben würde.
Das wollte damals niemand hören!

Deshalb erbost es mich besonders, wenn mir Mitbürger aus der ehemaligen DDR unterstellen,ich sei schuld an ihrer Arbeitslosigkeit und ihrer schlechten wirtschaftlichen Situation.

Ich habe nicht nach schneller Wiedervereinigung geschrieen,ich habe auch nicht von der Wiedervereinigung materiell profitiert.Ich bin auch kein "arroganter Wessi".

Mir ist es egal,woher ein Mensch kommt,ich unterscheide nur nach gut und böse und nach sympathisch oder unsympathisch.

Was mich an der Deutschen Einheit stört,sind dumme Nazis in irgendwelchen Dörfern,die noch niemals mit Ausländern konfrontiert wurden,also garnicht wissen,wovon sie reden und Leute,die immer nur jammern und einen Sündenbock suchen.

Es gibt überall in Deutschland Menschen,die unverschuldet arbeitslos sind,aber es gibt auch viele,die sich in keinster Weise bemühen,an ihrer Situation etwas zu ändern,sondern glauben,der Sozialstaat sei ihr kostenloser Futtertrog.


Aber im Ganzen betrachtet,hat die Wiedervereinigung mehr Positives,als Negatives gebracht.Daß Menschen,die 28 Jahre von einander getrennt waren,noch dazu in völlig verschiedenen politischen Systemen,sich auch innerlich entfernen,ist logisch,daß eine Annäherung Jahre dauert,auch.

Aber es geht doch voran!Das haben wir besonders bei der Weltmeisterschaft diesen Sommer bemerkt.Es hat sich ein Nationalgefühl entwickelt,das nicht(wie in der BRD)als negativ empfunden und auch nicht(wie in der DDR) aufoktruiert war.

Wenn die Menschen ihre Kinder zukünftig ohne Vorurteile erziehen,wird es spätestens bei der übernächsten Generation keine Konflikte mehr zwischen Ost und West geben.

Ich frage mich immer wieder,warum viele Menschen ihre wirtschaftliche Situation mit ihrem Nationalbewußtsein in Verbindung bringen!Kein Franzose würde auf die Idee kommen,den 14.Juli nicht zu feiern,weil er arbeitslos ist!

Und was Helmut Kohls "blühende Landschaften" angeht:Wer glaubt ernsthaft einem Politiker,der eine Wahl gewinnen will?


Helene

klivia Offline



Beiträge: 135

04.10.2006 02:58
#6 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten


Danke helene,

für diesen tollen Beitrag Du hast mir aus dem Herzen gesprochen.

So wie Du die Sache siehst, sehen sie leider nicht so viele Menschen,
aber Du hast recht.

lg klivia

"Die Wahrheit ist selten rein und niemals einfach." (Oscar Wilde)

Admin Offline

Administrator


Beiträge: 3.578

04.10.2006 12:41
#7 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten

Hallo Helene

Ich sehe die Dinge auch so wie Du!
Ich komme aus den neuen Bundesländern und hab mich damals schon sehr gefreut als die Mauer endlich fiel. Allerdings habe ich damals nicht wirklich viel mitbekommen,da am 3.November 89 mein Sohn geboren wurde und ich ein paar ganz eigene Probleme hatte.
Nach dem Mauerfall musste ich mich dann plötzlich ganz neu orientieren. Mein ganzes Leben hat sich auf einmal verändert. Es war z.B. damals nicht mehr so klar,das ich nach einem Jahr Babyjahr meine alte Arbeit wieder aufnehmen kann.

Es war doch auch klar,das die Menschen im Osten damals nach der Wende alle sehr euphorisch waren!
Plötzlich konnten sie Dinge kaufen,die sie früher nur im Intershop begutachtet haben und da war es klar,das die einheimischen Produkte in den Regalen blieben. Was ein großer Fehler war! Inzwischen kommen nach und nach viele Produkte aus Ostzeiten wieder auf den Markt. Aber zum größten Teil nur auf den Ostmarkt. Was auch sehr schade ist.

Nach der Wende hab ich ein paar Jahre mit meinem damaligem Mann in München gelebt,und habe so auch beide Seiten kennengelernt. Viele Menschen im Westen haben auf die Leute im Osten geschimpft und andersherum genauso. Hab ich nie verstanden. Auf beiden Seiten gibt und gab es Menschen mit denen ich gut klar gekommen bin und es wird immer Menschen geben mit denen ich nicht kann. Aber das ist doch einfach menschlich und hat nichts mit Ost und West zu tun.

Ich glaube,in ein paar Jahren werden diese Diskusionen der Vergangenheit angehören.Denn ich glaube die nächsten Generationen wachsen mit einem ganz anderem Bewusstsein auf.

L.G.
Cara


Diotima ( Gast )
Beiträge:

10.10.2006 00:39
#8 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten
Jede Medaille hat zwei Seiten, und wie Helene so wunderbar sagt, erlaubt das GG, oder besser das BGG, das jeder seine Meinung kundtun darf, solange niemand damit diskriminiert wird.
Ich habe auch in der DDR gelebt, und vieles was Helene sagt stimmt, aber auch die andern haben recht. Leben und leben lassen. Im Osten sind und bleiben die Einkommen kleiner obwohl die Kosten teilweise bedeutend höher sind als im Westen.
Ich habe Herrn Kohl von Anfang an nicht geglaubt. Und nicht jeder war euphorisch - das kam nur nicht in die Medien weil es nicht hinpaßte ;-) - Und ich konnte wegen Geldmangel weder vor noch nach der Wende verreisen, wenn ich was gespart hatte mußte ich es für eine medizinische Leistung hergeben, die mir zuvor, der Staat immer bezahlt hat. Ich habe mich überhaupt nicht gefangen gefühlt, für mich hat eigentlich nur der Aspekt gezählt, das endlich eine Zeit der großen Lügen endet. Doch endete sie wirklich?
Die Antwort werd ich nicht geben, denn Politik ist immer etwas das schwer zu durchschaun ist, das ist absichtlich so gemacht, und ok nun will ich endlich den wichtigsten Satz sagen: Ich bin heute sehr froh, das es die Wende gegeben hat, denn ich habe viele Menschen kennenlernen dürfen Freundschaften geknüpft und schöne deutsche Gegenden gesehen, die es sonst für mich nicht gegeben hätte. Ich habe in Delitzsch meine Lehre gemacht, in Bitterfeld mußte ich umsteigen, wenn ich nach Hause wollte in Leuna haben wir Kalk (Karbidschlamm) gepumpt für die Ställe. Es sind die wirklich dunkelsten Flecken die Deutschland hat, und es wird viel Zeit vergehn bis sich diese Gebiete erholen, und noch mehr Zeit wird vergehn, bis wirklich ein einiges Deutsches Volk gibt, was ich mir sehr wünsche!
Und ich wünsche mir, das wir wirklich einmal besseren Zeiten entgegensehen können, weniger Arbeitslosigkeit, weniger teure Lebenshaltungskosten, und viel mehr Menschlichkeit, vielleicht auch wieder mehr Kinder.
Grüße alle ganz herzlich in Ost und West
Wossi
diotima

Bert Brecht:"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."

helene Offline



Beiträge: 382

24.10.2006 23:01
#9 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten

@Diotima

In Antwort auf:
erlaubt das GG, oder besser das BGG, das jeder seine Meinung kundtun darf, solange niemand damit diskriminiert wird.


Ich habe explizit das Grundgesetz(GG) und nicht das Behinderten-Gleichstellungsgesetz(BGG)
gemeint.
LG, Helene

Diotima ( Gast )
Beiträge:

27.10.2006 09:20
#10 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten
da hast du recht Helene, es ist ein Schreibfehler von mir, - ich meine eigentlich BGB
http://de.wikipedia.org/wiki/BGB
viele Grüße
diotima
Bert Brecht:"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."

helene Offline



Beiträge: 382

27.10.2006 10:09
#11 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten

Hallo,Diotima


Ok,aber wenn Du das von Wikipedia hast,dann stelle ich mal wieder fest,daß man /frau nicht alles glauben sollte,was dort steht.

Die Meinungsfreiheit gehört zu den Grundrechten und steht deshalb im GG,nicht im BGB.
Ich möchte hier nicht besserwisserisch rüberkommen,aber ich habe das mal studiert und kenne mich deshalb mit unseren Gesetzesbüchern recht gut aus.

Und daß Wikipedia oft Fehlinformationen rüberbringt,ist mir schon häufiger aufgefallen.

LG, Helene


Der Erkenntnis Fackel entzündet sich stets an dem Licht der errungenen Wahrheit.

(Lukrez,römischer Dichter 96 - 55 v. Chr.)

Diotima ( Gast )
Beiträge:

27.10.2006 19:51
#12 RE: Tag der deutschen Einheit Zitat · antworten
Hallo Cara,
nein kommst du nicht, Mann //Frau lernt doch nie aus. Und "wer meint, das er etwas zu sein,hat aufgehört etwas zu werden" (Sokrates)
Dazu zähle ich mich nicht.
Ich habe ja auch nur meine Aussage korrigiert und erhebe keinen Anspruch auf Unantastbarkeit
Also vielen Dank für den Hinweis
auch an Helene vielen Dank, auch du mußt dir keine Sorgen machen, das ich deinen Hinweis falsch werte.

Liebe Grüße
Diotima
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Bert Brecht:"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."

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